Was macht eigentlich eine Ergotherapeutin im Altenheim?

Was macht eigentlich eine Ergotherapeutin im Altenheim?

Im fünften Gespräch der PNP-Interviewreihe „Was macht eigentlich ein(e)…?“ erzählt Frau Barbara Schellmann von ihrem Alltag als Ergotherapeutin im Altenheim.

Barbara Schellmann
Mein Name ist Barbara Schellmann, ich bin 31 Jahre alt und arbeite seit 2016 als Ergotherapeutin im Caritas-Altenheim St. Konrad in Pfarrkirchen.

Mein Tagesablauf
Um 8:00 Uhr beginne ich mit dem Wasch-/Anziehtraining. Dieses erfolgt 3x pro Woche bei den gleichen Bewohnern, um die vorhandenen Alltagskompetenzen zu erhalten bzw. zu fördern. Es wird pro Wasch-/Anziehtraining ca. 30 Minuten pro Bewohner eingeplant.
Ab 9:00 Uhr starten dann die Einzel- und Partnertherapien. Für eine Einzeltherapie werden ca. 20-30 Min. pro Bewohner eingeplant. Hierbei liegt das Augenmerk darauf die vorhandenen Alltagskompetenzen zu erhalten. Aber auch auf dem Unterstützungsbedarf des Bewohners. Daher kann die jeweilige Therapiedauer stark variieren und muss jedes Mal aufs Neue an die Tagesform und das Befinden des Bewohners angepasst werden. Das Therapieangebot orientiert sich am Hilfebedarf des Bewohners und umfasst z.B. Koordinations- und Gleichgewichtstraining, Gedächtnistraining, ADL-Training, Gang-und Mobilitätstraining aber auch basale Stimulation uvm.
Bei Einzug eines neuen Bewohners wird ein Erstgespräch und die Kontraktureinschätzung durchgeführt. Bei der Erfassung der Kontraktur handelt es sich um das Festhalten des vorhandenen aktiven, assistiven oder passiven Bewegungsausmaßes der einzelnen Gelenke des Bewohners sowie das Vorhandensein von Deformitäten, Kontrakturen und Schmerzen. Diese Befunderhebung dient dazu um die eventuell bestehende Notwendigkeit einer Therapie festzustellen. Mein Arbeitstag endet akutell gegen 12:00 Uhr.

Besonders an der Arbeit gefällt mir, dass man selbstständig arbeitet und eigene Strukturen in den Arbeitsablauf mit einbringen kann. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten und Handlungsspielraum wie die Therapie jedes einzelnen Bewohners gestaltet wird. Hierbei sind der eigenen Fantasie keine Grenzen gesetzt.
Auch die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Berufsgruppen im Haus, die wie viele kleine Zahnräder funktionieren und ineinandergreifen, sind sowohl für den Bewohner als auch für einen selbst von großer Bedeutung. Hier erfolgt unabhängig voneinander eine Zusammenarbeit zum Wohle des Bewohners. Es ist wie eine große Familie. Jeder kennt jeden! Zudem lernt man viele verschiedene Menschen kennen, die einem ihre Biographie anvertrauen und von denen man immer wieder Neues lernen kann, wie z. B. alte Kochrezepte, Bräuche und auch den ein oder anderen Witz.

Wussten Sie eigentlich, dass man als Ergotherapeutin die Leitungsfunktion in der Betreuung übernehmen kann und diverse Zusatzqualifikationen wie z. B. die Gerontopsychiatrische Fachkraft absolvieren kann. Ich spezialisiere mich aktuell in der Fachrichtung Kinästhetik (Lehre von Bewegungsempfindung) und belege darin gerade den Aufbaukurs.

Bild: Auf Initiative von Sophia Freudenstein konnte ein weiterer Arbeitskreis mit Gesundheitsdienstleistern aus der Region gegründet werden. Zu Arbeitsgesprächen haben sich bereits zum dritten Mal die Mitglieder Dr. Stephanie Vogt (Pflegedirektorin der Rottal-Inn Kliniken), Christian Eder (stv. Schulleiter KWA), Bettina Plettl (Inhaberin der MediVital Sozialstation Bad Birnbach), Katrin Seiler (Vorständin Kreiscaritasverband Rottal-Inn), Herbert Wiedemann (Kreisgeschäftsführer BRK Rottal-Inn), Michael Schwartz (Pichlmayr Wohn- und Pflegeheime), Kerstin Tremmel (Praxiskoordinatorin Generalistische Pflegeausbildung) und Dr. Anton Wartner (Sprecher des Hausärztekreises Rottal-Inn) an einen Tisch gesetzt.